Hey, Mr. Ben!


Wie man weiß, daß ich es bin
Oktober 22, 2009, 18:32
Gespeichert unter: Über Erziehung und so

Wenn sich schon mal jemand gefragt haben sollte, wie man Frau Down Under eigentlich erkennen könnte, falls sie einem jemals über den Weg laufen sollte, dann ist das ganz einfach:

Folgen Sie einfach nur der Stimme. Leicht panisch, leicht ungeduldig und immer laut. Gebrüllt werden dann meist so Sachen wie: „Stooooop, Beeeen, neiiiiin, nicht die Rolltreppe runterrennen!!!„, „Nicht auf die Straße, das ist gefährlich, das sind Autos!“ oder auch „Naaaaiiiiiiin, nicht dem Kind den/das (beliebig) wegnehmen!!!

Nicht weglaufen!„, „Bleib bei Mama!“ oder „Komm sofort zurück und stell das (beliebig) wieder zurück!“ Klassiker sind auch: „Laß das gelbe Ding da stehen, das soll da stehen, nicht umwerfen. Beeeeen. BEEEN!! AAHHHHH….“ und „Nein, nicht das Salzfaß / den Zuckerpott auskippen!“

Am besten ist aber immer noch das auf der öffentlichen Toilette: „NAAIIIIIN BÄHÄÄÄNNNN, laß die Tür noch zu! Ich bin noch NICHT!!! fertig.

Irgendwie habe ich momentan mal wieder das Gefühl, daß da erziehungstechnisch wieder was verkehrt ist. Das sollte nicht so sein, glaube ich, daß ich so derart hinter Ben herbrüllen muß…Ich gebe zu, ich bin noch auf der Suche nach dem ZEN der Erziehung. Theoretisch klappt das immer großartig, daß ich mir sage: „Durchatmen. Ruhig bleiben. Halb so wild, es ist lustig. Das wird schon, der kommt noch…“ Praktisch ist es jedoch so, daß mir nach fünf Minuten geduldigen Zuredens (- da, da ist er, der Fehler!) der Kragen platzt und ab da geht der Spaß los. Und ja, klar: Ben findet das superlustig.

Ich meine, das ist so schlimm, daß sich in der Tat letztens Promo-Fuzzis, die dafür bezahlt werden, auf der Straße Leute anzuquasseln, sich bei mir entschuldigt haben, daß sie mich abgelenkt haben.



Geklapse
August 21, 2009, 17:15
Gespeichert unter: Auf dem Spielplatz, Über Erziehung und so

Thema Geklapse. Irgendwie mag ich es nicht. Es wird immer so nett verharmlost. Der kleine Klaps auf die Hand, der ja eigentlich gar nicht weh tut, ja, den das Kind gar nicht merkt. Wie sehr diese Art der Argumentation sich in den Schwanz beißt! Wenn das Kind es ja ohnehin nicht merkt, warum dann überhaupt? Dann kann man es ja auch sein lassen.

Dann ist die Sache, daß das Ganze zur Gewohnheit wird. Bei jeder popeligen Kleinigkeit kommt dann der Klaps zum Einsatz, der übrigens dann komplett seine Glaubwürdigkeit verliert, denn: wenn es das Kind ohnehin nicht merkt und daran gewöhnt ist, dann … s.o.

Und zum dritten ist die Sache: wo zieht man die Grenze? Der kleine Klaps, der bei jedem Mist zum Einsatz kommt, wirkt vielleicht noch am Anfang. Er wird zur Gewohnheit, auch für das Kind. Das Kind fängt an, das Ganze zu ignorieren. Und was kommt denn dann? Wenn man schon in harmlosen Situationen nicht in der Lage war, ohne körperlichen Einsatz auszukommen, was passiert denn in ernsthafteren Situationen?

Wieso ich das Ganze hier zur Sprache bringe? Weil ich eben so eine kontrollfreakige Mutter auf dem Spielplatz gesehen habe. Muttern mit Kind, neuem Baby, der besten Freundin,  Mann, Oma und noch eine. Kind wird ignoriert, weil man sich ja mit der besten Freundin unterhalten muß und das neue Baby präsentieren muß. Vier Leute zum Aufpassen und keiner war in der Lage, mal ein Auge auf den Kleinen zu werfen und ein wenig freundlich zu sein? Das irritiert mich ja nicht wenig, aber ich bin ohnehin ein wenig gluckig, was das angeht. Jedenfalls: Kind baut Mist (oder eben auch nicht), Muttern fängt an, die Totalitäre rauszukehren.

Klar, ich komme auch manchmal mit der Drohung: „Wenn du bis drei nicht… xyz… gemacht hast, daaaaannnn….Donnerwetter!“ Meist geht es dann ums Nachhausegehen oder in den Kindersitz steigen. Weil wir es eilig haben. Haben wir es nicht eilig, ist es mir egal und ich habe Geduld. Nur ist das bei mir der Schlußpunkt, nicht der Anfang und Ben weiß das auch.

Jedenfalls kreischte diese totalitäre Mutter bei jedem Mist los, das Kind ignoriert sie. Warum sollte es auch hören? Irgendwann büxt er aus, Muttern hinterher, droht, keift, klapst. Der Kleine heult herzzereißend, wird dann mit Süßkram bestochen und bekommt den Spruch um die Ohren gehauen: „Siehst du, wohin du mich gebracht hast, jetzt ist Mama ganz traurig, weil sie b öse sein muß mit dir!!:roll:

Es geht so weiter, bis die beiden Kleinen – meiner auch – sich ein wenig anfreunden und anfangen, mit dem Spielplatzdeckzeug durch die Gegend zu schmeißen. Erziehungsunterschiede auch hier: ich sage meinem Knaben, daß er das bitte in die andere Richtung, wo keine Leute sind, schmeißen soll. Was er auch macht. Der andere … nun, er ignoriert seine Mutter, kommt näher und häuft den Dreck auf mein Knie drauf. Grinsend und abwartend, wie ich reagieren würde. Nun, ich finde das irgendwie dreistfrechwitzig und grinse. Ist ja auch nicht meine Erziehungsbaustelle, würde ich sagen und Jeans können das ab.

Ich kann aber garantieren, daß bei Ben, hätte der das gemacht, ein sanftes „Bitte laß das.“ von fremden Leuten ausgereicht hätte. Bei dem Kleinen? Keine Ahnung, bevor der reagieren konnte, war seine Mutter da, entschuldigt sich bei mir, ignoriert mein „Macht doch nichts.“ und mich gleich mit dazu – immerhin, der Kleine war drei! Der fand das lustig, na und? – klapst kräftig und macht die Drohung wahr, nach Hause zu gehen. Zum Glück, es war eigentlich unangenehm, die in der Nähe zu haben. Fürchterliches Weibstück, wirklich.

Jetzt weiß ich ja, daß mich das nichts angeht. Und ich weiß, daß ich mir keine Gedanken drum machen sollte, aber der Kleine hat mir schon ein wenig leid getan. Ich ertrage es einfach nicht, ein Kind heulen zu hören. Geht nicht. Oder bin ich zu weichherzig? Argumentieren? Hat keinen Zweck, das stößt auf komplett taube Ohren, speziell von Fremden.

Und warum ich das hier berichte? Eine reine Contentfrage, denn heute war sonst nichts. Nur schön wars auf dem Spielplatz :-)



Allmählich…
Juli 28, 2009, 22:51
Gespeichert unter: Alltägliches, Über Erziehung und so

…wird es Zeit, daß ich mein Verhalten wieder mal befrage. Ich bin wieder im mütterlichen Dauermecker- und Motzmodus angekommen. Und je mehr ich motze, desto schlimmer wird es. Bzw., dann wird es richtig anstrengend, weil plötzlich auch die kleinsten Kleinigkeiten zum Kampf ausarten. Müttertaubheit bei Ben kommt dann noch dazu. Ich weiß aber auch nicht, warum es mich so auf die Palme bringt, wenn ben gerne noch ein wenig mit dem Laufrad durch den Dreck fahren will. Klar, ich will los, aber fünf Minuten mehr tun mir doch nicht weh? Sobald ich anfangen will, meinen Willen gegen jeglichen Widerstand durchzudrücken, habe ich eigentlich schon verloren. Der Tag beginnt mit Ansapnnung, mit negativer Erwartungshaltung, die leider erfüllt wird  und endet in völliger Erschöpfung meinerseits.

Dabei hasse ich es einfach, wenn ich dastehe wie ein Volltrottel, weil ich einen Machtkampf inszeniert habe, den ich regelmäßig verliere, auch wenn ich meinen Kopf durchsetze. Mit ein wenig mehr Nachgiebigkeit und Verständnis würde es oft nicht so weit kommen. Beispiel: ich rufe mein Kind zum fünften Mal, weil ich los will, verliere die Geduld und packe es dann schließlich ins Auto. Resultiert in Geheul bei Ben und beim nächsten Mal in einem noch größeren Dickkopf, weil der ja auch mal seinen Willen durchdrücken will. Bei mir entstehen Spannungskopfschmerzen und Widerwille, weil ich mich schon wieder in der Position der ewig Meckernden gefunden habe, die nur durch Einsatz der brachialen Müttermacht gewonnen hat.

Dabei geht es mir doch nicht darum, wer gewinnt, sondern um ein überzeugendes Miteinander ohen Verlierer und Gewinner.Und bevor jemand sagt, daß ich Recht habe und daß man diese ewigen Diskussionen auch mal leid sein kann und daß man sich mit einem Zweijährigen gar nicht darauf einlassen sollte: gibt es irgendeinen vernünftigen Grund, warum ich die Wünsche eines Zweijährigen nicht ernstnehmen sollte? Warum ich mich darüber wegsetzen muß, weil er ja „nur“ zwei ist und noch jung und dumm und erziehungsbedürftig? Hat er denn keine Stimme? Scheinbar, wenn meine Geduld am Ende ist, nicht. Nun, daran kann ich arbeiten, denn ich bin ja nicht immer so schrecklich.

Warum ich nicht angekündigt habe, daß wir jetzt los wollen und ihn noch ein paar Mal durch dieses Dreckloch habe fahren lassen, um ihn dann in aller Ruhe einzusammeln – oke, dann wäre die Diskussion um den Fahrersitz aufgekommen – verstehe ich nicht. Fünf Minuten sind ja eigentlich nicht die Welt. Vielleicht aber, weil es grundsätzlich so ist. Immer und überall. Nichts geht ohne Reibung ab.

Vielleicht sollte ich mir aber auch mehr Zeit geben, so ganz justiert sind wir alle noch nicht. Ben hat jetzt noch zusätzlich diesen Kindergartenstreß und ich Schlafprobleme. Mist. Ich wünschte, der Urlaub wäre wirklich einer gewesen und nicht nur reine Herumgurkerei im Familienkreis. Je älter Ben wird, desto mehr habe ich das Bedürfnis, aufzutanken. Da Ben ja auch noch so ein willensstarkes Kerlchen ist, das sich NICHTS!! sagen läßt und bei dem jede einzelne Kleinigkeit durchdiskutiert werden muß, ist eine geladene Batterie noch notwendiger.

So, mein Vorsatz für nächste Woche: mehr Geduld. MEHR GEDULD!!! Ruhe bewahren! (und wer mir noch mal mit dem Spruch kommt, daß ich jede Minute genießen soll, weil mit zwei sind die ja noch soooo klasse und richtig geht es überhaupt erst in der Pubertät los…nun, ich bin gerade ein wenig ungenießbar, daher sollte man mir mit so was nicht kommen!!!)



Diplomatie à la Mrs. Down Under
Juli 22, 2009, 21:13
Gespeichert unter: Alltägliches, Blöd & Zugenäht, Über Erziehung und so

Diplomatie ist nicht meine Stärke. Wenn ich genervt bin, hat leider meine Umwelt mit drunter zu leiden. Ich rotze dann herum und bin wenig freundlich. Jetzt ist gerade wieder jemand sehr liebes fürchterlich vor den Kopf gestoßen gewesen. Ich habe mich bei Jens ausgeheult, der guckt mich verwundert an und hat gefragt, wieso ich denn nicht einfach dieses und jenes gesagt hätte, dann hätte sich auch keiner aufregen müssen.

Und jetzt hatte ich deswegen eine äußerst brillante Idee: wenn mir was nicht paßt, sage ich es nicht mehr, sondern verweise direkt an meinen hauseigenen Diplomaten. Na, wie ist das?



Lästereien und so

So, was das besagte Wochenende so unschön machte war ein Vorfall, der mir ausgesprochen sauer aufgestoßen ist. Ben kneift andere Kinder, das habe ich schon öfter mal beklagt. Meist wird dann seitens der gegnerischen Erziehungsberechtigten verkrampft gelächelt und gesagt, daß es doch nicht so schlimm sei. Nun, ist es aber doch. Ich finde das furchtbar, daß wir es Ben nicht austreiben können, andere Kinder anzufallen und ich finde es furchtbar, daß mir kein Weg einfällt, wie ich diese ganze Angelegenheit überhaupt in den Griff kriegen soll. Und zwar nicht wegen der Kinder, die mir dann zwar schon leid tun, die aber  normalerweise ganz gut damit umgehen können – es sei denn, diese werden zu sehr verzärtelt.

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Ratlos
April 22, 2009, 23:17
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Ich bin erziehungstechnisch gerade ein wenig am Ende meines Lateins. Der junge Mann hier ist komplett dickköpfig, was ja auch o.K. ist für sein Alter. Manchmal läßt er ja auch mit sich reden, wie z.B. heute auf dem Spielplatz als wir ausgemacht haben, daß nur noch ein Mal gerutscht wird. Er hat zwar versucht, noch mehr rauszuhandeln, war aber am Ende ganz zufrieden. Es ist ja eigentlich auch weniger sein Verhalten, das mir zu denken gibt als vielmehr meins. Ben ist in der Lage, mich manchmal ganz schön auf die Palme zu bringen, sprich: ich lasse mich von einem Zweieinhalbjährigen provozieren. Und dann werde ich selber kindisch.

Heute morgen wollte Ben sich mal wieder nicht anziehen. Das übliche Spielchen: Mama droht mit Hose, T-Shirt, was auch immer, er rennt kichernd weg. Das nervt, besonders, wenn Sohnemann das Spielchen jeden einzelnen Tag anfängt. Und heute ist mir dabei leicht der Kragen geplatzt und ich habe mich verhalten wie eine Dreijährige. *augenroll* Also nicht getobt oder so, sondern die Hose hingeworfen und herumgezickt à la: „Iiiich will nicht auf den Spielplatz, ich habe auch zu Hause genug zu tun. Also, wenn du keine Hose anziehen willst, dann können wir nicht los...“etc. Müßte ich in meinem Alter nicht drüberstehen. Salbungsvoll lächeln, seufzen und über die Torheiten der Jugend lächeln? Geduld üben? Der kommt schon von alleine an? Aber nix da. Muttern ist im tiefsten Herzen eine Dreijährige.

Anderes Beispiel: Ben fand es äußerst lustig, mich heute zu treten. Es ist ihm nicht klar, daß das weh tut. Ich sage es ihm immer, er glaubt mir nicht – ihm tut es ja auch nicht weh, also wie kann es mir weh tun? Ist doch lustig. Und dann kam wieder die dreijährige Zicke in mir hervor. Statt ihm ruhig zu sagen, daß es weh tut, daß ich traurig bin darüber blablabla, zische ich ab in die Küche und spiele beleidigte Leberwurst. Da mein Sohnemann ein totales Sensibelchen ist, bringt ihn so etwas komplett aus dem Gleichgewicht und er fängt herzerweichend an zu heulen. Ganz kläglich und zutiefst verletzt nach dem Motto: „Mamaaaa, wieso hast du mich nicht mehr lieb, ich habe doch nichts gemacht…„Dann muß ich ihn trösten.

Und genau da ist mein Problem: ich muß ihm schon vermitteln, daß ich weder Treten, Hauen, Beißen, Kratzen, Kneifen, Haare ziehen dulde, aber ich bin einfach nicht geduldig genug, ihm das in einem erwachsenen Tonfall mitzuteilen. Ich zicke herum, statt ihm zu sagen, daß ich das doof finde und daß er mir so lange vom Leib bleiben soll, bis er wieder umgänglich ist.Ich will es eigentlich nie so weit kommen lassen, daß er kläglich heult. Aber gerade dieses aggressive Verhalten bringt mich zur Weißglut. Küche überfluten? Kein Thema, kann man trocknen. Gut, ich mecker dann ein wenig, aber zucke eher mal die Achseln oder lächle. Wutanfall? kein Thema, ich bleibe geduldig neben Sohnemann stehen und versuche zu trösten. Hauen? Kneifen? Ich gehe an die Decke, das macht mich so wütend.

Erziehen? *seufz* Eltern sein kann manchmal so schwierig sein. Pah. Wo bitte ist die Gebrauchsanleitung? Und in welcher Apotheke gibt es eine große Portion Geduld?



Faule Kompromisse
März 31, 2009, 16:54
Gespeichert unter: Über Erziehung und so

Eben im Supermarkt, wir brauchten Milch. War ja klar, wir hatten schließlich nur einen Wochenvorrat von gerade mal acht Litern gehabt und der ist jetzt alle. Also ab, Milch holen, ohne Milch kann ich keinen Kaffee trinken.

Was mich in Supermärkten ungemein ärgert sind die verflixten Waren für Kinder. Süßgkeitenregale, bunte Ostereierinseln in der Mitte des Ganges, Schokostereierwasserfälle an den Seiten, zwischendurch ein wenig Spielzeug. Und genau da gab es eine kleine Unterbrechung im Einkaufsfluß. Kurz vor dem Milchregal, der Wagen ist mit exakt einem Beutel Zwiebeln gefüllt, springen Lokomotiven in bunt in Bens Augen. Ben macht eine schnelle 120-Grad-Kehrtwendung und grabscht sich die „blaaaue Lok„.

Beste Zutaten für ein kleines Drama: Kind will, Muttern nicht, dazwischen steht das blaue Plastikding. „Mit Männchen“, betont das Kind. Macht es trotzdem nicht besser. Ich sage nein. Kind sagt beharrlich „doch“. Ohen Schreierei, ohne Gekreische, ohne Drama. Eben nur fürchterlich hartnäckig dieses „Doch! Ben blaaaue Lok haben. Mit Männchen!“ Entschiedene Weigerung auf Mutterns Seiten: „Nein, leg das Ding zurück. Du kannst hier rumstehen und noch so sehr wollen, das Ding bleibt hier! Leg es bitte zurück!

Nein, Ben will das Teil zur Kasse tragen, die Diskussion geht weiter. Zwischenzeitlich kommt ein weitere Gegenstand des Begehrens ins Kindeleins Fingerchen, das da wäre ein Laster. Ich gehe den Kompromiß ein: „Laster darfst du, die Lok bleibt hier.

Was ich so bemerkenswert finde war nicht, daß ich als Verhandlungspartner jämmerlich bin: ich habe Ben den Laster zugestanden und mußte noch eine Tüte Schokoostereier in die Verhandlungen bringen, bevor das Kindelein den blauen Plastikmüll zurücklegt, doch es ging eben ohne großes Gebrüll und Gekreische ab. Sehr höflich alles. Sogar der restliche Einkauf ging in aller Ruhe ab.

Okeeeh, gelogen. Ein klitzekleines Drama gab es: ich habe Ben inmitten der schärfsten Verhandlungen gesagt, daß er gerne die Lok durch den Laden schleppen darf, nur eben nicht zur Kasse, womit er auch einverstanden war. Am Milchregal gab es dann das Gekreisch und Gebocke, weil er unbedingt die Milch schleppen wollte (Ben ‘leeeeine machen! Ben ‘leeeine Milch trag-en!!) und das mit vollen Händen einfach nicht ging. An dieser Stelle hat die blaue Lok wohl erheblich an Attraktivität verloren.



Erholt
März 28, 2009, 10:20
Gespeichert unter: Über Erziehung und so

Gut erholt scheine ich nach dem Urlaub zu sein, wirklich.

Ben hat gestern meine Küche mit Knete verschmiert, das Zeug trocknet und klebt überall. Er hat daraus eine „Straße“ und „Schienen“ gebastelt. Und darauf herumgetrampelt.

Beim Abendessen hat er „Herzpfannekuchen“ in sich hineingestopft. „Herzpfannekuchen“ sind übrigens herzhafte Pfannekuchen mit Käse und so weiter. Als er fast satt war, hat er beschlossen, daß die Herpfannekuchen in Orangensaft getunkt doch viel besser schmecken würden. Stolz stand er da und verkündet, daß er Herzpannkuuuchen im Orangensaft hat.

Heute wieder das gleiche Spielchen mit der Knete.

Melone wurde halb gegessen, halb zerpfückt – das untere Ende nahe der Schale schmeckt schließlich nicht. Grinsend stand er am Tisch und zerkrümelte seine Melonenstücke, die er anschließend halb vom Boden aufgehoben, halb wieder in den Mund gestopft hat.

Jetzt tobt er hier herum, weigert sich, eine Windel oder sonstiges anzuziehen, trägt seine Knete mit sich herum und rennt bei Androhung von „Windel“ kicherndkreischend weg.

Und ich? Ich bin so was von erholt, das tangiert mich nicht mal am Rande. Ich lasse ihn machen und muß permanent über diesen Dummfug grinsen. Nur bei Knete in Joghurt habe ich keinen Spaß mehr verstanden. Pädagogisch unwertvoll? – wahrscheinlich. Nervenschonend? – Aber sicher doch!



Endlich wieder Leben in der Bude

Nachdem es hier wochenlang ööööde war, langweilig und tranig, da Ben so fürchterlich lieb war, ist heute endlich wieder Leben in die Bude reingekommen. Endlich war es wieder lustig. So lustig, daß ich am liebsten meine Sachen gepackt hätte – nein, nicht mal das – und sofort ins Flugzeug gestiegen wäre, hätte man mir die Gelegenheit geboten.

Wir waren heute morgen in der christlichen Playgroup, die ich ja schon seit Wochen ausprobieren wollte. Es war – wider aller Erwartung – absolut reizend. Nette Leute, nette Kinder, nett organisiert, da gehen wir wieder hin. Definitiv. Ben braucht Gesellschaft und ich auch. Ben hat sich gut benommen, seinen Morning Tea eingenommen, mit der Eisenbahn gespielt. Und da kam es dann zu kurzen Kloppereien mit den anderen Kindern, die entweder nicht teilen wollten oder mit denen Ben nicht teilen wollte. Wie auch immer, die Testosterone gingen durch, Tränen und Schienen und Loks flogen durch die Luft, Riesenpalaver.

Ein kleiner Junge war so frustriert, daß er auf den Tisch, auf dem die Eisenbahn  aufgebaut war, draufhaute. Das nennt man wohl: Mit der Faust auf den Tisch usw. Ben war da sehr empört. Er haute ebenfalls mit der Hand auf den Tisch und brüllte den Jungen an: „Nit paputt machen, naaain! Nit Tisss haue! Nit paputt!!!“ Ähm, ja, sehr logisch. Hat mich an die Situation erinnert, wo Frau ihrem Kleinen eine watscht und motzt, daß er keine Kinder hauen soll. Oder so *lol* Als Ben aber vor lauter Empörung über die Zerstörung des Tisches anfangen wollte, mit den Schienen auf den Kleinen loszudreschen, war Ende. Kein Zug mehr, alles ab in die Kiste. So, das hatten die Knilche nun davon. Pah, Testosterone. Echt.

Ganz nebenbei: Ich habe mehr und mehr den Eindruck, daß die Eltern, die mit Unverständnis und Empörung auf kindliche Aggressionsausbrüche reagieren, diejenigen sind, die sehr darauf bedacht sind, Kontrolle zu behalten. Diejenigen, die mich beruhigend anlächeln, wenn Ben wieder Kinder anfällt, sind eigentlich immer diejenigen, die „so etwas“ selber durchgemacht haben und entsprechend gelassen reagieren und auch mit den Kindern immer sehr entspannt agieren. Diejenigen, die motzen und empört sind, sind ganz oft auch diejenigen, die mit ihren Kindern sehr krampfig umgehen. Bis auf diejenigen, denen sowieso alles egal ist und da sind dann auch die entspannten Eltern empört. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist, vielleicht haben diejenigen, die böse sind auch einfach Glück gehabt und können solche Erlebnisse nicht in ihren Erfahrungsschatz eingliedern und wissen so etwas auch nicht anders einzuordnen als in die Kategorie: Asozial. Nun ja.

Egal. Kurz danach war auch Ende mit der Playgroup, wir sind gegangen. Auf dem Weg nach Hause ist uns ein sehr sehr netter Baggerführer begegnet, der extra für Ben in seiner Mittagspause (!) seinen Bagger angeworfen hat und eine Privatshow nur für den Lütten gestartet hat. Ben hätte sogar mitfahren dürften, hätte er sich getraut. Fand ich einfach nur toll von dem Mann.

Zu Hause angekommen, ging es dann los mit Kneiferei und Beißerei. Seit wir Besuch haben, ist Ben eifersüchtig. Wenn ich mich mit Tati unterhalte, geht er dazwischen, wirft mit Sachen, kneift, beißt, haut, kreischt, ist bockig ohne Ende. Eben eifersüchtig, weil er sich vernachlässigt fühlt. Und Ben fühlt sich seeehr schnell vernachlässigt. Tati hat ihn ins Bett gebracht, was ein bißchen geholfen hat.

Bis zum Abend ist nicht viel passiert, wir sind draußen gewesen, haben Blätter aus dem Pool gefischt und Autos rutschen lassen. Tati kam runter, das Geschrei und das Gebocke ging wieder von vorne los. Irgendwann bin ich dann auf die glorreiche Idee gekommen, dem Knilch die Nägel zu schneiden. Und man könnte ja auch die Haare machen, die sind wieder über die Ohren gewuchert, was ich hasse. Ich schnappe mir die Schere und locke Kind ins Schlafzimmer (Schlafzimmer – große Spiegel – Ben kann gucken, was ich mache, nur falls es jemanden wundert).

Drama. Drama. Drama.

Geschrei. Er wehrt sich. Ich nehme den „Rasenmäher“ (=Bartschneider). Ben ist kurzzeitig zufrieden. Die Zotteln fallen. Leider nicht so gleichmäßig, wie ich mir das vorgestellt habe. Ben dreht den Kopf, ein Loch erscheint in der ohnehin nicht so dichten Haarmatte. Ich trete zurück, Bens Pony sitzt schief, da muß ich noch mal ran. Verstärkung in Tati-Form kommt, Ben läuft soundtechnisch zu Höchstform an. Ich schneide, der Pony wird durch das Gezappel schiefer und schiefer, das Geschrei jämmerlicher, er fängt an zu würgen, zu kotzen. Er schreit, ich schneide, da muß er durch.

Tati hält fest und schreit plötzlich ebenfalls los. Eine Ratte (IIIIIIHHHH!!!!), so scheint es, ist unter unserem Bett raus in die Küche geflitzt. Kind kotzt. Tati schreit. Ich kann nicht mehr vor Ekel. Ratte! In unserem Schlafzimmer. Ben kotzt. Tati schreit. Ich stehe da und will, daß meine Mami mir sagt, was ich machen soll.

Ich tue so, als sei ich souverän. „Und was machen wir jetzt?“ o.K., das war ein lahmer Versuch. Ben kotzt uns das Schlafzimmer voll. Ich schicke Tati raus, Nummer von dem nächsten Ungezieferfachmann rauszusuchen, während ich das widerstrebende Kind unter die Dusche zerre. Ich spüle die Haare (die Ursache der Kotzeritis) und das Erbrochene ab, die Frisur ist grauenhaft, Pony komplett schief, aber wenigstens schreit und kotzt Kind nicht mehr. Neue Windel, das Kind ist aussortiert. Tati kommt hilflos zurück und meldet, daß sie die Internetseite mit den Gelben Seiten nicht gefunden hat. Das Telefonbuch ist in der Küche, da trauen wir uns beide nicht rein.

Ich putze erst mal das nach stinkende Schlafzimmer, schicke Tati und Ben raus zum Einfahrt anmalen und rufe den Ungezieferman an, der mir sagt, daß er auch nichts machen kann. Zumindest nicht bis nächsten Dienstag. Örks.

Ich beruhige mich ein wenig, das Vieh muß von draußen gekommen sein, denn wir hatten nie Anzeichen von irgendwelchen Mitbewohnern im Haus, die größer als eine dicke Spinne sind. Zum Beispiel glaube ich nicht, daß das Obst, das bei uns offen herumliegt, unangetastet geblieben wäre oder das Brot in Ruhe gelassen worden wäre. Oder, daß die Ratte gelernt hat, das Klo zu benutzen, damit wir ihr nicht so schnell auf die Schliche kommen. Zeigt mir so eine Ratte und ich sage euch, wer in fünf Jahren die Welt regieren wird.

Glaube ich nicht, die kam mit Sicherheit von draußen. Jetzt gilt es nur, das Vieh wieder rauszubefördern, was nicht so einfach ist, wenn man nicht weiß, wo sie ist und sich nicht in die Küche traut. Und nicht mal weiß, ob es eine Ratte ist oder vielleicht ein Possum. Das würde die Angelegenheit schwieriger gestalten, denn Possumjäger gibt es kaum, da sind die Gesetze zu merkwürdig, als daß sich damit noch jemand abgibt.

Ben rattert also glücklich in einem Affenzahn die Einfahrt rauf und runter – Tati hat ihm seinen Helm verpaßt, damit er sich nicht auch noch den Kopf einschlägt bei dem Gerase – und ich stehe unglücklich im Haus und denke an das Ungeziefer, gegen das ich nichts machen kann. Also echt, wenn es eine Ratte ist, was soll ich denn da machen? Rattenfallen? Gift? Mit einem Kleinkind im Haus, ich bin doch nicht verrückt! Das Problem ist bis morgen vertagt, ich denke, wenn die noch im Haus ist, kriegen wir das auf jeden Fall mit. Sprich: ich habe echt keine Ahnung, ob die noch da ist. Ich hoffe mal nicht.

Mit Ben ging der Dramatag dann weiter, er hat erst „Unfall“ mit unserem großen Auto gespielt und anschließend, nach Konfiszierung des „Buggycahhs„, am Auto das Nummernschild abgerissen. Riesengeschrei, Eumelpapa st.ink.sauer, Kind nicht mehr zu bändigen, und ich stehe da und wünsche mich gaaaanz weit weg. Und bin so halb glücklich, ein ganz klein wenig Positives kann ich sehen: Blogcontent. Endlich wieder mal was anderes als Friede, Freude, Eierkuchen. War ja schon richtig langweilig hier. Yippieh. *seufz*



Kindererziehung
Februar 21, 2009, 16:55
Gespeichert unter: Über Erziehung und so

Bei ihr habe ich den Link auf ein interessantes Interview in der Süddeutschen gefunden und wollte eigentlich nur einen Kommentar dazu abgeben, doch es ist zu lang geworden. Hier könnte ich mich ohne schlechtes Gewissen lang fassen, aber mir fällt plötzlich nichts mehr dazu ein.

Mich hat vor allem diese Frage der SZ ins Grübeln gebracht:

Aber wieso haben diese drei einen so großen Erfolg? Hat das nicht vor allem damit zu tun, dass die Kinder von 68 nun selber Kinder haben und die Libertinage ihrer Eltern satt sind und sich nach klaren Regeln sehnen?

Ich denke, da stimme ich mit Bergmann überein, daß das Blödsinn ist. (mehr…)