„Mama, Spüelllln!“ Seit ungefähr einer Woche ist das Bens Schlachtruf. Bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit ertönt dieser Ruf und unerbittlich werde ich dann zum Schaffott geführt – pardon, natürlich zum Spielport. Dort wird dann gespielt. Aber es werden nicht nur ganz banal Loks oder Autos herumgeschoben oder Klötze aufeinandergestapelt. Nein, hier findet das Leben statt! Kommunikation, Interaktion, Fantasy, SciFi, Baustellendramen und Sozialverhaltensrollenspiele werden gleichzeitig aufgeführt. Ben spielt nämlich jetzt mit Püppkes und dergleichen.
Munter werden die Plastikkinder per Krokodilexpress zum Kindergarten gekarrt, wo die durch eine Klappe durchfallen müssen, bevor die wahlweise von der Eisenbahn oder dem Flugzeug wieder nach Hause gebracht werden. So etwa zehn, zwanzigmal hintereinander, schätze ich. Ben zeigt sich sehr besorgt um die Plastikpüppchen und pustet immer, wenn die irgendwo runterfallen. Komisch, daß er nie Probleme damit hat, mich zu kneifen, wenn ich nicht so will wie er?Bepustet werde ich auch nie. Aber entschuldigen, das tut er, damit ich wieder mitmache…
Nun, die Kinder werden umweltfreundlichst nach Hause gekarrt, dann wird per Bagger und/oder Schaufel Schotter auf Kipplaster geladen, die Ziege frißt den Schotter, springt aufs Flugzeug und bringt es dadurch zum Absturz. Danach übernimmt sie den Tower, während der schwule Taxifahrer – sorry, aber das Männeken, also echt, das sieht wirklich so aus! – plärrend durch die Gegend hüpft, weil er aus dem Hubschrauber geworfen wurde. Währenddessen werden die Kindergartenkinder gefüttert und getränkt und so weiter und so weiter.
Schön? Lustig? Pädagogisch wertvoll? Tscha. Vier, fünf, sechs Stunden pro Tag, würde ich mal so schätzen, alles andere bleibt liegen, da Riesengeschrei, wenn ich nicht kann/will. Und die Frage, ob er denn bei dem tollen Wetter nicht lieber raus…? „Nein, nicht rausgehen! Mama, Spüelllln….“ Lieber Malen/Basteln? Kneten gar? Puzzeln? Bauen? Mit irgend.etwas anderem spielen? Lesen? Vulkane bauen? „Nein, Mama, das hier Spüelllln….“ (Okey, die von Ben beim Anblick des Hammers und der Kokosnuß selbstgewählten Alternative „mit Hammer auf Kokosnuß herumhämmern“ wurde begeistert akzeptiert, aber ich fand das nicht soooo toll, ehrlich nicht. )
Geht es anderen auch so? Ist das normal? Wie geht ihr damit um? Macht ihr mit?Geht es nur mir so, daß mich das ein klein wenig nervt und langweilt? Bin ich normal? Bin ich deshalb eine schlechte Mutter, weil es mir nach zwei Stunden keinen wirklichen Spaß mehr macht, ich Egoist?
Einen Vorteil hat es: das Kind ist unglaublich umgänglich und zufrieden, wenn ich mitspiele. Ben zeigt sich sogar vernünftigen Argumentationen zugänglich. Zwar darf ich immer noch nicht in Ruhe essen und aufs Klo gehen oder mit der Spülmaschine hantieren, dafür aber zeigt er sich verständnisvoll, wenn ich ihm sage, daß ich jetzt kochen will und er bitteschön mal kurz alleine und so weiter.









