Hey, Mr. Ben!


Die Sache mit den Restaurants
März 8, 2008, 20:54
Gespeichert unter: Alltägliches

Gerade habe ich es bei ihr wieder gelesen: über das Essengehen mit Kindern und wie das so in Restaurants abläuft. Wie Ben sich in Restaurants verhält – nun, das Auf-die-Tische-klettern gehört zum Standardrepertoire (nein, wir versuchen immer, es zu verhindern, aber manchmal ist er einfach zu schnell), gematscht wird auch ganz gerne und es gibt nach kurzer Zeit lautstarke Unmutsäußerungen von Mössjöh, wenn es ihm zu langweilig wird. Aber im Gegensatz zu Deutschland macht das nix. Gar nichts macht das. Das wird von Kindern erwartet, daß die kein perfektes Benehmen an den Tag legen und toleriert.

Mit Kindern ins Restaurant zu gehen ist hier normal und niemandem würde es einfallen, sich darüber zu beschweren. Selbst die ganz Kleinen werden schon mitgenommen, auch die ganz vielen sind normal. Es macht nichts, wenn die Kinder was lauter sind; selbst wenn es mal den ein oder anderen Tobsuchtsanfall gibt, wird man nicht des Platzes verwiesen. Man erntet wissendes Lächeln der anderen und kann ganz ohne mißbilligende Blicke weiteressen.

Für Kinder ist eigentlich immer mindestens ein Hochstuhl vorhanden, für die älteren stehen Stifte und Papier bereit. Und wenn die Kids mal zwischen den Tischen herumlaufen oder geräuschvoll miteinander spielen oder ihre Autos brummen lassen- so what! Man denkt sich seinen Teil, aber es macht nicht so viel, weil man hier noch weiß, daß Kinder eben nicht ewig still sitzen können, besonders nicht die Kleinen. Zwischen den Tischen herumlaufen, wenn es draußen ist, wird sogar belächelt. Kein Problem, no worries, mate. Hier ist man nämlich Kinderfreundlich.

Daher sind wir relativ häufig, so ein, zwei Mal im Monat essen und Ben gehört einfach dazu. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, nur deswegen einen Babysitter zu engagieren oder zu Hause zu bleiben. Er wird eigentlich immer vom Personal betüddelt und bewundert und auch die anderen Gäste lächeln und finden ihn süß. Schreit er mal – das gehört eben dazu, deswegen sind es Kinder. Ich bin wirklich noch niemals schief angeguckt worden, weil Ben gebrüllt hat.

Wenn er wieder mal in der Öffentlichkeit das kleine Böckchen spielt, ist das kein Grund, sich wie in Deutschland, ein Bein auszureißen, um das Kind ruhig zu stellen, es ist mir auch keineswegs peinlich. Kinder bocken nun mal aus verschiedenen Anlässen und brüllen auch gerne – das weiß man hier noch. Das einzige, was man erntet, sind entweder nachsichtige Blicke oder das hämische wissende Lächeln der anderen Mütter.

Niemals habe ich einen Kommentar hören müssen, von wegen, daß mein Kleiner schlecht erzogen sei, weil er bockt. Oder weil er nach Dingen grabscht, die ihn nichts angehen, im Supermarkt die Regale erklimmt oder lauthals aus voller Kehle lacht und endlos brabbelt oder weil ich die Leute aus dem Weg rempeln muß, weil er mir mal wieder ausgebüxt ist oder weil er sich an irgendwelchen Leuten festklammert, um nicht umzufallen. Niemals gab es einen bösen Blick – genervt ja, manchmal, aber nicht böse – oder die Aufforderung, das Kind endlich ruhig zu stellen.

Hier machen die Omis Gutschi-gutschi-gu, wenn sie Kinder sehen. Oder man lächelt und sagt ihnen Dinge wie: “Wow, you are really clever, are you?” oder “Oh, you are a cutie!”, man schenkt ihnen Babycinos in Cafés und findet Kinder in der Regel toll.

Es gibt Sachen hier, die mich stören, aber es gibt auch Sachen hier, die mich froh sein lassen, nicht in Deutschland zu wohnen.


3 Kommentare bis jetzt
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So, jetzt hast Du mich entgültig so weit. Die Taschen sind gepackt, übermorgen sind wir da. Sollen wir was aus dem Duty-Free-Shop mitbringen?

Das ist genau das, was ich an Australien immer, immer geliebt habe: No Worries. In australischen Restaurants bekommen Kinder auch immer als erstes ihr Essen. Sie sind willkommen, das merkt man an allen Ecken und Enden. Es gibt ja hier auch Restaurants, die Puzzle, Malsachen oder Büchlein bereit halten, aber das ist nicht die Regel. Gestern gab es nichts für uns und Koljas eigens Spielzeug ist in Restaurants, Zügen und Wartezimmern immer ziemlich uninteressant. Das einzige Restaurant in Deutschland, wo Du mit Kind immer, wirklich immer willkommen bist, ist das mit dem golenen M… Traurig aber wahr.

Kommentar von kaleema

Meine Güte, das klingt ja absolut beneidenswert.

Ich hatte gestern wieder eines dieser typisch deutschen Erlebnisse.
War mit Enya im Eiscafé und sie fing an zu weinen. Ich wurde direkt von mehreren Gästen mit Blicken erdolcht. Da fühlt man sich so richtig super und hat noch total Lust, länger zu bleiben. *grrr*

10 Minuten später bin ich dann wirklich wieder mit der Kleinen los, bevor tatsächlich noch wer sein Messer ausgepackt hätte….

Kommentar von Alexandra

Jetzt wollte ich grad schreiben, dass ich da eher gute Erfahrungen gemacht habe, aber so ist es ja eigentlich gar nicht. Ich habe ein dickes Fell. Jedenfalls in der Hinsicht. Vielleicht muss man das auch haben, und vielleicht gehören viele schlechte Erfahrungen auch in die Kategorie “Mein dickes Fell muss noch wachsen”. Wir gehen zB öfter in ein chinesisches Restaurant mit Buffet-Angebot. Mein Gefühl ist, dass die Kellner Christoph lieben, sie kommen vorbei, sie schäkern mit ihm, sie bringen ihm Spielzeug, sie spielen mit ihm … Der A nimmt eher nur wahr, dass sie – wenn wir gehen – sofort den kleinen Staubsauger zücken und Christophs weggeschmissenen Reis aufsaugen. Ich nehm erdolchende Blicke bezüglich meines speisenden Sohnes nicht wahr.
Und: wir suchen südländische oder fernländische Restaurants auf. Selbst Sushiessen waren wir schon, klappte prima :-) Toll ist auch italienisch!
Restaurants ohne Hochstühle und mit zuvielen Treppen meiden wir, da wo Hochstühle sind, ist Christoph in der Regel auch willkommen :-)

Kommentar von rosa67




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