So, der Knilch schläft jetzt hoffentlich, immerhin ist es schon halb elf abends. Früher ging einfach nicht. Dabei hätte uns allen das so gut getan. Ben hat nämlich heute die Diva gegeben. Ein Wutanfall nach dem anderen, wegen nichts, gar nichts und wieder nichts. Oder doch wegen etwas. So hat Mössjöh beispielsweise seinen roten Holzklotz die Treppe runtergeworfen. Einmal, zweimal, dreimal. Jens hat ihn auf das unverzüglich einsetzende Gemotze („haaaabn! HAAABNNN!!!„) freundliche Nachfragen hin den Klotz immer wieder hochgeholt. Aber dann war er plötzlich weg – ich war dieses dämliche Spielchen leid. Ist mir klar, er testet Schwerkraft, ob es immer nach unten fällt usw., aber ich war es leid und habe den Klotz konfisziert. Riesengemotze war die Folge.
Das gleiche, als Ben irgendein Teil hinter die zweite Absperrung geworfen hat, als ich mich hingesetzt habe, als ich aufgestanden bin, als ich runtergegangen bin, als Jens runtergegangen ist, als ein Flugzeug vorbeigeflogen ist und er es nicht „haaabn“ konnte, als die Mücke, die an unserem Fenster vorbeigeflogen ist, gepupst hat, als ein Klotz nicht in die Form im Deckel paßte, usw.
Anstrengend war das. Aber ich war ziemlich stolz auf mich, denn ich bin ruhig und gelassen geblieben…
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- …mit der Zunge schnalzen. Mal sehen, ob ich das aufnehmen kann. Hört sich echt lustig an.
- …Treppen richtig steigen, vorausgesetzt, das Geländer ist nicht allzu hoch.
- …erstaunlicherweise auf der Hängematte auch mal zehn Minuten ganz ruhig und verträumt an Mama gekuschelt still sitzen bleiben und sich schaukeln lassen.
- …inzwischen ganz alleine mit dem Löffel essen. Lang genug hat er es ja geübt. Zwischendurch, wenn es ihm zu langsam geht, nimmt er natürlich immer noch die Finger. Zum Glück ist es zur Zeit so warm, daß ich ihm das Shirt ausziehen kann und mir eine Runde Wäsche nach dem Essen sparen kann. Daß man sich den Joghurt hinterher schön noch auf der Brust verreibt muß aber meiner Meinung nach trotzdem nicht wirklich sein…
Ben ist übrigens derjenige auf dem Spielplatz, der sich bäuchlings in den Dreck wirft, sich den anschließend über die Beine rieseln läßt und in den Mund stopft. Manchmal erinnert er mich ja an den da…
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Ben hat sich gestern in der Speisekammer eine Zwiebel stibitzt. Er beißt rein und stellt fest: „Ups, schmeckt nicht.“ Er setzt sich konzentriert auf den Boden und fäng an, das Ding sorgfältig zu schälen. Sobald das Weiße zu sehen ist, beißt er rein und stellt fest: „Mist, schmeckt immer noch nicht.“ Also hat er mir die Zwiebel gegeben. Bin ja auch der Mülleimer
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So, ich gebe es jetzt einfach mal zu: Ben hat sein Bett neben unserem Bett stehen, krabbelt sehr häufig – ach was, immer – in unser Bett rüber und ich finde das vollkommen in Ordnung so. Ich mag es, ich habe mich dran gewöhnt, Jens findet es auch in Ordnung, Ben findet es gut. Ich glaube auch nicht, daß wir ihn „nie wieder aus unserem Bett rausbekommen“. Ich bin ziemlich überzeugt, daß er sich für dieses Arrangement spätestens nächstes Jahr zu groß fühlen wird. Wir haben kein Problem damit.
Die einzigen, die ein Problem damit zu haben scheinen, sind diejenigen, die es nichts angeht und die weder bei uns im Bett schlafen müssen noch dürfen. Diejenigen, die ganz entsetzt aufschreien: „Waaaas? Der schläft immer noch bei euch im Bett?“ Ich meine, ich schreie doch auch nicht: „Waaaas? Ihr habt euer Kind einfach ausquartiert?“ Mach ich nicht, weil es mich nichts angeht und – ehrlich gesagt – auch nicht groß interessiert. So. Statt dessen fühle ich mich direkt schuldig und als Versager an Ben und der Gesellschaft, weil ich es nicht so mache, wie jeder andere auch. Ich fühle mich dann immer irgendwie verkehrt, stottere dann: „Jaaa, aber er hat ja sein eigenes Bett.“ und schäme mich, wie ich das so machen kann, wie ich es mache. Dabei finde ich es richtig so. Aber es fühlt sich eben falsch an, weil andere der Meinung sind, es sei falsch.
Blöd, so was.
Viel mehr Probleme habe ich, bzw. wir, damit, kaum jemals einen Feierabend zu haben. Aber das kriegen wir auch noch hin, da bin ich mir sicher.
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Letzte Nacht lief es gut. Mössjöh hat sich dazu bequemt, bereits vor zehn Uhr abends einzuschlafen – es zeihnete sich für die geplagten Eltern so was wie ein Feierabend ab, nur daß wir beide leider zu müde waren, um wirklich noch wach zu bleiben. Das muß dieses elend schwüle Wetter sein. Ich bin fast die ganze Nacht wach gewesen und habe mich hin und hergeworfen und auf einen halbwegs kühlen Luftzug gewartet. Gegen vier Uhr morgens fing es endlich an, erträglich zu werden.
Kindelein hat dagegen geschlafen. Nur in Windel, alles andere war zu warm. Um halb fünf hat er geknörxt, sich umhergewälzt, ist aufgestanden, ums Bett herumgetappst, sich die Wasserflasche geschnappt, hat „haaabn!“ gerufen, wurde abgefüllt, hat sich hin und hergewälzt, ist zwischen seinem und unserem Bett auf der Bettkante eingeschlafen und hat bis sage und schreibe acht gepennt. Gut so! Wenn wir es jetzt schaffen, den Knilch eine Stunde früher ins Bett zu bringen, darf er dafür eine Stunde früher aufstehen. ist doch ein Angebot, oder?
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Ich geh jetzt schlafen. Der Knilch schlummert auch schon. Vor zehn – STRIKE!
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…heute geholfen, Wäsche einzuräumen. Das heißt, daß ich morgen erst mal das Chaos im Schlafzimmer beseitigen muß. Aber süß, wie er Sachen ins nächtbeste erreichbare regalfach gepröfft hat und immer stolz und (auf)fordernd „DAH!“ gerufen hat.
Er kann auch anders als Bauklötze auf die Tonne hämmern: Er kann die auch übereinanderstapeln. Sogar mehr als zwei, aber das nicht gleichzeitig. Unten ein Stein, oben ein Stein und beim dritten wird der zweite weggewischt und der dritte auf den ersten geknallt. Toll, schlaues Kindelein, der Eumel…
– weil: das ist besser als Frust, weil man es nicht schafft, mehr als zwei/drei Steine übereinanderzustapeln.
Kaum bin ich untreu geworden, schon kommt mir das hier alles sehr lahm vor. Kann aber auch an unserer megalangsamen Internetverbindung liegen.
Worüber ich heute nachgedacht habe: wie wirkt sich das Wegsein eigentlich bei den Kleinen aus? Also bei denen etwa in Bens Alter? Gut, Ben wird nicht die ganze Woche weg sein, aber er wird ja trotzdem irgendwie beeinflußt. Und klar ist das auch eine ganz individuelle Geschichte, aber trotzdem würde mich das interessieren. Hat da jemand Veränderungen bemerkt beim Nachwuchs? Positiv? Negativ? Was fällt ganz besonders auf? Werden die Kleinen noch anhänglicher?
Wir sind kurz nach 2 Uhr von unserer Besichtigung zurückgekommen. Einige Besorgungen mußte ich noch machen, wie z.B. einen neuen Hut für Ben kaufen und einen eigenen Rucksack. Nun schläft der Knilch immer noch.
Kann sein, daß er noch ein klitzekleines bißchen müde ist nach der Party gestern nacht?







